Sprachreisen Blog - Erfahrungsbericht
Andalusien
Zu schön um wahr zu sein
Text und Fotos: Berit Hüttinger
Mit Rilke in Ronda
Mein Blick schweift ins Tal, über die Schlucht El Tajo und weiter zu den Bergen im Hinterland. Andalusien ist Grün in diesen Tagen, und auch in Ronda hat es in den letzten Monaten viel geregnet.
Neben mir steht Rainer Maria Rilke und murmelt: «...ein geräumiges Tal, beschäftigt mit seinen Feldflächen, Steineichen und Ölbäumen, und drüben entsteigt ihm wieder, wie ausgeruht, das reine Gebirg, Berg hinter Berg, und bildet die vornehmste Ferne.»
«Wie wahr, wie poetisch, besser hätte ich es nicht formulieren können, Kumpel!», antworte ich ihm grinsend.
«Berge wie aufgeschlagen um Psalmen daraus vorzusingen», fährt mein Dichterfreund unbeirrt fort.
Anerkennend klopfe ich dem Poeten auf die Schulter. «Du hast es einfach drauf!», kommentiere ich seine Worte flapsig.
Doch der berühmte Mann reagiert nicht etwa ungehalten, ganz im Gegenteil. Trotz meiner Respektlosigkeit verzieht er keine Miene. Kein Wunder, denn Rilke ist aus Bronze und ich schließlich keine Zeitreisende.
Es fühlt sich gut an, an dem Ort zu wohnen, an dem der berühmte Schriftsteller den Jahreswechsel von 1912 auf 1913 verbrachte. Im Garten des wunderbaren Hotels Catalonia Reina Victoria Wellness & Spa wurde ihm deshalb posthum ein Denkmal gesetzt.
Rilke war begeistert von seiner Unterkunft: «...ein wirklich ausgezeichnetes Hotel...», schrieb er. Er habe die Absicht dort «recht spanisch zu leben und zu wohnen.»
Auch als er Ronda zum ersten Mal erblickte, war er auf Anhieb verzückt und nannte sie "die erträumte Stadt". Dabei war Rilke beileibe nicht der einzige Schriftsteller, der den pittoresken, andalusischen Ort für sich entdeckte. Auch andere Größen pilgerten hierher, so z.B. Ernest Hemingway und Orson Welles.
Auch heute ist Rondas Faszination ungebrochen. Zusammen mit anderen Touristen folge ich im Gänsemarsch einem gewundenen Pfad steil bergab, wohl wissend, dass ich „das alles“ nachher wieder nach oben steigen muss. Ich möchte die spektakuläre Brücke Puente Nuevo, die die Altstadt (La Ciudad) und die Neue Stadt (El Mercadillo) miteinander verbindet von unten betrachten. Dafür nehme ich sogar in Kauf, dass ich einen hässlichen Helm samt Haarnetz tragen muss. Jener dient natürlich nur meiner eigenen Sicherheit, denn die letzten Meter, deren Begehung übrigens 5 Euro Eintritt kostet, führen entlang einer Steilwand. Hier droht Steinschlaggefahr!
Der Blick auf Wasserfall, Brücke und Stadt ist sensationell und entschädigt für all die erlittenen Strapazen und potentiellen Gefahren.
Abends nehme ich an zwei Workshops teil. Die ausdrucksstarke Lehrerin Rocio Romero hat sich fest vorgenommen unserer wild zusammengewürfelten Gruppe in nur einer Stunde eine ganze Flamenco-Choreographie beizubringen. Wir sind hochkonzentriert, während wir uns die Grundschritte einprägen: Golpe: Schlag mit dem ganzen Fuß, Planta: Schlag mit dem Ballen, Tacón: Schlag mit dem Absatz des Schuhs, Punta: Schlag mit der Schuhspitze. Dazu kommen noch die Armbewegungen Braceos und die Drehungen Vueltas. Was so einfach aussieht, ist hochkompliziert! Nach 60 Minuten bin ich ernüchtert, was meine Koordination und mein Rhythmusgefühl angeht.
Der anschließende Workshop in „Fächersprache“ ist deutlich entspannender. Allerdings ist diese Art von Wissen ein wenig aus der Zeit gefallen: Einst nutzten die Damen den Fächer (Abanico) um den Herren ihre Gunst oder Abneigung zu signalisieren. Ich grüble eine Weile darüber nach, ob dies ein Akt der Emanzipation war und sogar feministisch gedeutet werden kann, komme aber zu keinem rechten Ergebnis. Sicher bin ich mir nur mit einer Sache: Die Fächersprache war auf jeden Fall um einiges romantischer als das Kennenlernen heute mit Tinder & Co...
Altehrwürdiges Antequera
Von Ronda fährt man mit dem Auto gut eine Stunde in das kleine Städtchen Antequera. Der Ort, der auch «das Herz von Andalusien» genannt wird, ist reich an Geschichte. Für die Mauren war Madina Antaquira einst ein wichtiger Grenzposten. Die Burg Alcazaba de Antequera wurde dafür im 14. Jahrhundert als strategischer Verteidigungspunkt errichtet. Später versuchten christlichen Könige die muslimischen Herrscher aus Spanien zu vertreiben. Antequera spielte dabei eine wichtige Rolle, denn die Stadt lag auf den wichtigen Handelsrouten Sevilla-Granada und Malaga-Córdoba.
Leider hat die Kirche San Sebastián in Antequera nicht immer geöffnet. Wenn aber doch, dann lohnt es sich, diese zu besuchen. Der geschnitzte Altar aus dem 18. Jahrhundert ist ein Meisterwerk der Barockkunst. Die in Gold gehüllte Marienstatue in der Kirche wird als Nuestra Señora de los Remedios (Unsere Liebe Frau der Heilungen) bezeichnet. Sie gilt als die Schutzpatronin der Stadt. Einer der Mythen besagt, dass die Statue während einer schweren Dürreperiode erschien und zusammen mit ihr der langersehnte Regen.
In der Gastrobar Casa Lucía in der Cuesta Zapateros in Antequera gibt es traditionelles Essen zu vernünftigen Preisen. Mit dem Wunsch nach vegetarischen oder gar veganen Gerichten stößt man allerdings, wie fast überall in Andalusien, auf Unverständnis. Koch und Kellner wirken mit der Anfrage überfordert, sind aber aufrichtig bemüht, die Gäste zufrieden zu stellen. Ein Mitreisender, der keinerlei tierische Produkte isst, formuliert es so: «In Andalusien wird ein Marsianer für weniger Verwunderung sorgen als ein Veganer!».
Immerhin die Salmorejo, eine kalt servierte Suppe, kann der Kollege zu sich nehmen. Die Hauptzutaten sind Tomaten und Olivenöl.
Saurer Fisch in Sevilla
Sevilla ist die Hauptstadt Andalusiens und die viertgrößte Stadt Spaniens. Kein Wunder, dass besonderes viele Menschen die Stadt wählen, um hier Spanisch zu lernen. Da ich beruflich mit Sprachreisen zu tun habe, besuche ich zwei der Sprachschulen, mit denen ich zusammenarbeite: CLIC Ih Sevilla und Enforex Sevilla. Während CLIC die alte Stadtvilla hell und modern renoviert hat und mit Mini-Pool und schickem Kochstudio auf der Dachterrasse Studierende aus aller Welt anlockt, setzt Enforex auf den Charme des alten Gebäudes. Geschwungene Treppenläufe, steinerne Statuen, bunte Fliesen, Holz und Messing verleihen der Sprachschule ein exklusives Flair. Auf dem Dach gibt es ebenfalls Sitzmöglichkeiten und einen tollen Blick über die engen Gassen Sevillas.
Weithin sichtbar ist La Giralda, der 97 Meter hohe Glockenturm der Kathedrale von Sevilla. Der Name Giralda kommt von der sich drehenden Figur auf der Spitze (Spanisch: girar ‚drehen‘). Mit dem sogenannten Orangenhof ist der Turm der einzige im Original erhaltene Überrest der ehemaligen Moschee.
Im Restaurant Placentines in der Calle Placentines probiere ich ein extrem leckeres, leicht säuerliches Fischgericht. Auf Nachfrage erfahre ich, dass es Adobo genannt wird. Ursprünglich bezeichnete der Begriff eine Marinade aus Oregano, Salz, Knoblauch und Essig, die zur Konservierung von Lebensmitteln diente. Bald etablierte sie sich aber als eigenständige Gewürzmischung.
Im Glanz des Abendlichts, zur goldenen Stunde ist der bekannteste Platz Spaniens die Plaza de España noch schöner als ohnehin. Dass hier nun auch noch Flamenco getanzt und gespielt wird, ist fast zu viel des Guten. Wie viele Andalusien Klischees auf einmal sind eigentlich aushaltbar?
Gladiatoren & Drachen in Santiponce
Habt ihr schon einmal von Santiponce oder der antiken Römerstätte Italica gehört? Nein, aber seid beruhigt, ich bis vor kurzem auch nicht.
Dabei wurden in Italica, das unweit von Sevilla liegt bedeutende Teile der berühmten Fantasy-Saga Game of Thrones gedreht: In der siebten und achten Staffel der Serie war die Arena der Ausgrabungsstätte, in der einst Gladiatoren des Römischen Reiches gegeneinander antraten, Drehort für die Drachengrube der Targaryen.
Aber auch ganz ohne Fernsehruhm, wäre die Stätte einen Besuch wert. Die Überreste der Stadt verweisen auf Einwohner, die einiges an Macht und Einfluss hatten. Obwohl wenig über sie bekannt ist, zeugen aufwendige Mosaike, die Tiere, Fabelwesen und Götter zeigen, von ihrem großen Reichtum.
Tipp: In Italica kann es sehr heiß werden, daher vor dem Besuch bitte unbedingt einen Sonnenschutz auftragen. Außerdem sollte ein Hut aufgesetzt und eine Flasche Wasser eingepackt werden.
Moschee-Kathedrale in Córdoba
Auch von Córdoba wusste ich bisher nur wenig, dabei fasziniert mich die sympathische Stadt von der ersten Minute an. An jeder Ecke kann faszinierende Geschichte entdeckt werden.
Um das Jahr 1000 hatte Córdoba seine Blütezeit, mit fast 500.000 Einwohnern war es neben Konstantinopel und Bagdad eines der bedeutendsten Kulturzentren im Mittelmeerraum. Hauptattraktion ist bis heute die sogenannte Mezquita-Catedral. Ursprünglich als moslemische Moschee im 8. Jahrhundert erbaut, wurde sie später im 13. Jahrhundert nach der Reconquista in eine christliche Kathedrale umgewandelt. Die Säulenwald im Inneren des 23.000 m² großen Gebäudes – übrigens, einer der größten Sakralbauten der Welt – besteht aus über 850 Marmorsäulen. Diese wurden aus dem ganzen Land zusammen...geklaut, Pardon, zusammen… getragen.
Leider ist zu wenig Zeit, um sich alle Details genau anzusehen, und so betrachte ich die kunstvoll gestaltete Gebetsnische (Mihrab) nur im Vorübergehen. Das Mittagessen wartet.
Es ist bereits 16 Uhr (Achtung: die typische spanische Mittagszeit beginnt frühestens ab 14 Uhr!) als wir im palastartigen Restaurant El Bandolero eintreffen. Wieder einmal mache ich den Fehler, dass ich mich bereits an den Tapas, die als Vorspeisen gereicht werden, mehr als satt esse: Salmorejo, Surtido de ibéricos de bellota, Queso puro de oveja curado de pedroches, Toastas con bacalao, Brochetitas de langostinos con calamar, Croquetitas melosas de abo de toro… Alle Gerichte sind extrem lecker aber leider immer stark frittiert. Ich habe jetzt schon panische Angst davor, mich (zurück Zuhause) auf eine Waage zu stellen...
Auch in Córdoba verpasse ich es nicht, einer Sprachschule einen Besuch abzustatten. Ih Córdoba wurde einst von einem englischen Paar als Academia Británica gegründet. Heute unterrichtet das sympathische Institut, das mitten in der Altstadt liegt Studierende aus aller Welt in Spanisch und Englisch. Rafa, ein junger Mitarbeiter der Sprachschule, plaudert aus dem Nähkästchen: «Fast 1000 Studierende finden wöchentlich den Weg zu uns!»
Ich staune nicht schlecht, denn die Schule, die aus mehreren nebeneinanderliegenden aber eher kleinen Häusern besteht, wirkt auf den ersten Blick eher gemütlich und überschaubar.
«Nun ja, die kommen nicht alle auf einmal, sondern über die Woche verteilt!», meint Rafa, als er meinen verdutzten Blick sieht.
Málaga im Schnelldurchlauf
Meine Reise nähert sich dem Ende. Zum Abschluss also Málaga im Schnelldurchlauf. Heute werde ich gleich mehrere Sprachschulen, in der Hafenstadt, besuchen.
Das Malaca Instituto und das Instituto Andalusi befinden sich ein wenig außerhalb im Fischerviertel Pedregalejo, dort wo es die schönsten Strandabschnitte und nettesten Bars und Restaurants von Málaga gibt. Hier können die leckeren Sardinenspieße „Espetos“ probiert werden, eine Spezialität der Stadt.
Während die familiäre Sprachschule Instituto Andalusi in einer ruhigen Wohngegend fast direkt am Strand liegt, befindet sich das Malaca Instituto ein wenig erhöht am Berg. Dafür ist es mit seinem Schulcampus mit Wohnresidenz, mehreren Sonnenterrassen, einem eigenen Schulrestaurant und großem Swimming-Pool an Komfort kaum zu überbieten.
Es wäre schön, noch ein wenig hierzubleiben und einen Spanischkurs zu besuchen, kommt es mir in den Sinn.
Doch richtig lange aushalten würde ich es aber wahrscheinlich nicht im quirligen Málaga. Ich merke, dass ich mich zurücksehne ins beschauliche Ronda. Dort würde ich dann wieder auf der Hotelterrasse sitzen, hinab auf El Tajo blicken und zusammen mit Rilke über die Schönheit Andalusiens philosophieren…
«Dass mir doch, wenn ich wieder der Städte Gedräng
und verwickelten Lärmknäul und die
Wirrsal des Fahrzeugs um mich habe, einzeln,
dass mir doch über das dichte Getrieb
Himmel erinnerte und der erdige Bergrand,...»
(Rainer Maria Rilke, Die spanische Trilogie)
Empfohlene Sprachschulen in Andalusien:
Sevilla:
-
Clic Ih Sevilla: www.sprachkurse-andalusien.de
-
Enforex Sevilla: www.spanisch-weltweit.de/sprachschule-sevilla.htm
Córdoba:
-
Ih Córdoba: www.ih-cordoba.de
Malaga:
-
Enforex Málaga: www.spanisch-weltweit.de/Sprachschule-Malaga.html
-
Malaca Instituto: www.spanisch-lernen-in-spanien.de
-
Instituto Andalusi: www.instituto-andalusi.de
-
Expanish Málaga: www.spanisch-erleben.de/sprachschule-malaga.html
-
Clic Ih Málaga: www.sprachkurse-andalusien.de/Malaga
-
AIFP Málaga: www.malaga-sprachschule.de
Hinweis: Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Español en Andalucía (EEA) und sprachkurse-weltweit.de GmbH (www.sprachkurse-weltweit.de)


