Sprachreisen Blog - Erfahrungsbericht
Paris, mon amour!
Französisch-Sprachreise nach Paris
Text und Fotos: Berit Hüttinger
Was bin ich stolz auf mich! Soeben habe ich den DELF Französischtest, ein offizielles Sprachdiplom des französischen Bildungsministeriums, mit Bravour bestanden. Obwohl das Examen nur ein Testlauf war (leider!), gibt diese Nachricht meinem sprachlichen Selbstbewusstsein einen enormen Auftrieb.
Tatsächlich komme ich aber im Alltag erstaunlich gut zurecht. Erst gestern Abend hatte ich mich mit einem Pariser Studienkollegen in der Punkerkneipe Le Petit Joseph Dijon im wilden Nordosten der Stadt getroffen. Die Musik war laut, die Gäste ebenfalls, und David schien komplett vergessen zu haben, dass er mit mir keine Muttersprachlerin als Gegenüber hatte. Munter quasselte er drauf los, aber auch ich schaffte es ohne große Mühen, die enormen Lücken seit unserem letzten Treffen (vor 20 Jahren!) mit Leben zu füllen.
Paris pur
Nach so einer prallen Paris-Woche schwirrt mir der Kopf. Derart viele Eindrücke prasselten auf mich ein, die alle verarbeitet werden wollen. Ich hatte mir auch wirklich ein straffes Programm ausgedacht, „pour bien profiter de mes vacances“ – wie die Franzosen sagen würden: vormittags Französischunterricht in der Sprachschule Les Ateliers FL Paris, danach Kulturprogramm und abends noch Konzertbesuche. Ich hatte fantastische Bands gesehen, wie z. B. King Buzzo mit Trevor Dunn in La Maroquinerie oder die bekannte algerische Tuareg-Band Tikoubaouine im Cabaret Sauvage, einer manegenförmigen Location mit geschnitzten Säulen und Holztanzfläche im Parc de la Villette. Dort war ich (fast) die einzige Nichtalgerierin, was ich erwähnenswert finde. „Weltmusikkonzerte“ kenne ich persönlich meistens als Veranstaltungen, die mehrheitlich von einem weißen Bildungsbürgertum „goutiert“ werden. Dass hier die echte Community am Start war, die ihre Stars mit Tränen in den Augen feierte und alle Lieder mitsingen konnte, faszinierte mich sehr; Berührungsängste hatte ich keine.
Französisch lernen in Paris
Doch zurück zum Französischkurs: Mit Ende vierzig bin ich die älteste Teilnehmerin in meiner Klasse. Die anderen, die aus allen Teilen der Welt kommen (Brasilien, Kolumbien, Japan, England und Amerika), sind in ihren Zwanzigern oder Dreißigern. Dennoch habe ich nicht das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Viele der jungen Leute sind zum Arbeiten in Paris und nehmen ihren Sprachkurs sehr ernst. Die Stimmung in der Gruppe ist gut, und bei den zahlreichen Konversationsübungen erfahre ich Interessantes über die anderen Teilnehmer:innen, ihre Jobs, ihre Herkunft und ihre Familien.
Nach dem Unterricht bietet Les Ateliers FL Paris zusätzliche Aktivitäten an, wie z.B. das gemeinsame Kuchenessen in der Mitte der Woche. Da Halloween kurz bevorsteht, gibt es an diesem Tag noch eine gesellige Runde mit Geistergeschichten in dem wohnzimmerähnlichen Gemeinschaftsbereich der Sprachschule, der mit gemütlichen Sofas und einer Bücherecke ausgestattet ist. Studierende aus verschiedenen Klassen gruseln sich gemeinsam in geselliger Runde, erzählen Selbsterlebtes, lachen darüber und mampfen klebrige Süßigkeiten.
Romantik am Friedhof
Die anschließende Führung zum Cimetière du Père-Lachaise spare ich mir aber, weil ich erst wenige Monate zuvor dort gewesen war. Ein Ausflug dorthin lohnt sich aber immer: Zahlreiche Prominente haben auf dem verwunschenen Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden, u.a. Jim Morrison, der Sänger der amerikanischen Band The Doors, die Chanson-Sängerin Edith Piaf oder der irische Schriftsteller und Dandy Oscar Wilde. Sein Grab hatte es mir bei meinem Besuch besonders angetan, da dessen Aussehen und Geschichte derart kurios sind, dass es sich lohnt, kurz davon zu erzählen: In Anlehnung an Wildes Gedicht The Sphinx meißelte der amerikanisch-britische Bildhauer Jakob Epstein vor über 100 Jahren eine geflügelte Figur in einen strahlend weißen Felsblock. Auch fügte er ein pikantes Detail hinzu, von dem gleich noch die Rede sein wird. Im August 1914 wurde die Skulptur dann von dem Okkultisten Aleister Crowley offiziell enthüllt. Seither entwickelte sich das Grab zur Pilgerstätte und lieferte Stoff für unzählige Anekdoten. Das „Detail“ war ein Phallus, und eben dieses „gute Stück“ wurde der Sphinx 1961 von einem Souvenirjäger brutal abgeschlagen. Im Jahr 2000 wurde es dann durch eine Silberprothese ersetzt, aber nun – umso wertvoller – bald erneut geraubt.
Ab den 1980er Jahren etablierte sich ein neuer Brauch: Besucher:innen übersäten das Grab bis 2011 beständig mit roten Küssen. Nach wiederholter aufwändiger und teurer Reinigung wurde die Sphinx schließlich mit einer hohen Glasbarriere vor den aufdringlichen Zuwendungen geschützt. Die hässliche Wand, die arg an die Kassenabtrennungen im Supermarkt zu Coronazeiten erinnert, würde Oscar Wilde, der ein Ästhet war, mit Sicherheit schrecklich hassen. Da Liebe aber keine Schranken kennt, wird nun eben der Sichtschutz von Lippenstiftmündern liebkost. Ich bin mir sicher, dass der Dichter sogar post mortem darüber seine helle Freude hätte.
Wo wohnen in Paris?
Nach dem Unterricht besuche ich aus beruflichem Interesse auch die anderen Französisch-Sprachschulen in Paris. Ich bin froh, zu sehen, dass mein guter Eindruck, den ich aus der jahrelangen Zusammenarbeit gewonnen habe, auch dem Realitätscheck standhält. Alle weisen eine wunderbare Atmosphäre auf, mit vielen glücklichen Studierenden und schönen Räumlichkeiten in besten Lagen. Die Wahl der „richtigen“ Schule fällt da schwer, denn alle haben ihre Vorzüge und arbeiten hoch professionell. Daher sollte ein Kriterium, um eine Entscheidung für eine Sprachschule zu treffen, vielleicht die Entfernung zur Unterkunft in Fahrminuten sein.
Ich z.B. wohne ganz im Westen der Stadt, in Clichy, in einem schicken, aber leider etwas unpersönlichen Aparthotel, welches mir die Sprachschule vermittelt hat. Viele Dinge, die mich interessieren, liegen aber eher im Zentrum und im Osten der Stadt. Bei meinem nächsten Besuch, werde ich diesen Faktor sicherlich besser berücksichtigen. Auf lange Fahrten mit der Metro sollte man sich in Paris aber grundsätzlich einstellen, die Distanzen sind einfach enorm.
Sightseeing in Paris
Mon dieu, schon so spät? Ich muss los! Auf meiner touristischen To-Do-Liste stehen noch so viele Sachen, die ich machen möchte und Sehenswürdigkeiten, die ich besuchen möchte, wie z.B. der Botanische Garten, das Musée du quai Branly, der Coulée verte und die Cité international des Arts…
Ach, wie ich es liebe, die verschiedenen Arrondissements zu erkunden und durch typische Pariser Viertel zu flanieren. Jede Minute freue ich mich darüber, dass ich hier bin. Paris, mon amour!
Hier ein Überblick über die Pariser Sprachschulen:
Accord Paris
Die Sprachschule ACCORD Paris befindet sich im 15. Arrondissement (Stadtteil Grenelle).
Adresse der Sprachschule: 3bis rue Jean-Pierre Bloch, Paris
Vorteile:
- Zentrale Lage bei Eiffelturm, aber in ruhiger Seitenstraße
- Große Schule auf 2 Etagen, eine davon im Souterrain
- Vor- und Nachmittagsunterricht
- Gut ausgebucht
- Gemischtes Publikum
- Angeregte Atmosphäre in den Klassen
Nachteil:
- Die touristische Lage nahe am Eiffelturm kann auch nerven.
Elfe Paris
Die Sprachschule ELFE (École de Langue Française) Paris zieht gerade um (August 2026). Beide Standorte sind in der Übergangsphase noch aktiv.
Alte Adresse der Sprachschule: 15 Rue Montmartre, Paris
Neue Adresse der Sprachschule: 98 rue du Château, 92100 Boulogne-Billancourt, Paris
Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, haben Studierende, die nicht nach Boulogne anreisen können, in den nächsten Monaten die Möglichkeit, ihr Studium in der Rue Montmarte im Rahmen von Einzelunterricht fortzusetzen.
Vorteile:
- Neue moderne Sprachschule mit 7 Klassenzimmern
- Empfangsbereich mit Cafeteria
- Schöne Umgebung am Bois du Boulogne
- Engagierte Lehrkräfte
Nachteil:
- Jetzt leider nicht mehr im 1. Arrondissement.
Les Ateliers FL Paris
Les Ateliers FL Paris befindet sich im 8. Arrondissement von Paris.
Adresse der Sprachschule: 9 Rue de Saint-Pétersbourg, 75008 Paris
Vorteile:
- Schöner, modern restaurierter Altbau auf mehreren Stockwerken
- Tee- und Kaffeeküche, Lounge-Bereich mit winzigem Innenhof
- Nettes und hilfsbereites Empfangspersonal direkt am Eingang
- Dachterrasse
Nachteil:
- Direkte Umgebung lädt nicht zum Flanieren ein.
L‘Atelier 9 Paris
L’Atelier 9 befindet sich im 9. Arrondissement von Paris.
Adresse der Sprachschule: 34 Rue de Trévise, Paris
Vorteile:
- Persönliche Aufmerksamkeit.
- Kleine, familiäre Schule
- In einer Altbauwohnung mit Küche
- Nette Umgebung mit vielen kleinen Geschäften, Bars und Boutiquen.
Nachteil:
- Kurse sind schnell voll, nicht immer sind alle Sprachniveaus verfügbar.
Berits persönliche Paris-Tipps
Kunst und Kultur
Musée du quai Branly: Mein Lieblingsmuseum ist das Musée du quai Branly für außereuropäische Kunst im 7. Arrondissement von Paris. Es ist von innen wie außen absolut sehenswert. www.quaibranly.fr/fr/
Cité international des Arts in Marais & Montmartre
Open Studios und Kunstevents vom Feinsten: www.citeinternationaledesarts.fr/en/two-sites/
Konzertlocations
La Maroquinerie, 23 rue Boyer, 75020 Paris, www.lamaroquinerie.fr
Cabaret Sauvage, 59 Bd Macdonald, 75019 Paris, www.cabaretsauvage.com
Im Grünen
Botanischer Garten: Jardin des plantes (Eintritt kostenfrei)
www.jardindesplantesdeparis.fr/en/jardin-des-plantes
Prominenten-Friedhof: Der Cimetière du Père-Lachaise (Eintritt kostenfrei) ist ein stimmungsvoller Friedhof im Osten von Paris und letzte Ruhestätte vieler Prominenter.
Coulée verte René-Dumont ist das Pariser Pendant zur Highline in New York, ein fünf Kilometer langer, erhöhter Park auf einer alten Eisenbahntrasse, der sich durch den Osten von Paris zieht.
Essen & Trinken
Eines der hübschesten Cafés und Restaurants der Stadt befindet sich am Rande des botanischen Gartens: JARDIN FOLIA, 47 Rue Cuvier, 75005 Paris, www.restaurant-jardin-folia.com
Sacha Finkelsztajn ist eine jüdische Bäckerei im Viertel Marais. Hier gibt es auch leckere Crêpes.
www.laboutiquejaune.fr
Shopping
Plattenläden: Beim Thema Shopping ist bei mir nicht viel los, aber nach Platten gucke ich hin und wieder ganz gern. Ganz Paris ist interessant für Vinylfreunde. Wegen seiner Spezialisierung auf Black Music und Afrobeat ist Superfly Records im Marais mein favorisierter Plattenladen: www.superflyrecords.com
Praktische Tipps
Getting around
Paris ist von vielen Orten in Deutschland gut mit Zug oder Bus zu erreichen, die Umwelt freut es!
Pro-Tipp: Einfach eine Fahrt am späten Abend buchen, so ist man früh morgens in Paris und kann direkt losstarten.
Für den Metrozugang Navigo Decouverte Pass unbedingt ein Passfoto mitbringen.
https://www.iledefrance-mobilites.fr/de/titres-et-tarifs/supports/passe-navigo-decouverte
Es gibt auch eine App, Île-de-France Mobilités, über die der Pass aufgeladen werden kann. Das Navigo-Wochenpaket kostet aktuell 32,40 € (Stand 2026)
Vorsicht!
Paris kann an manchen Orten sehr ungemütlich werden. Gewisse Gegenden Im Norden und Osten gilt es insbesondere nachts zu vermeiden. Die Metro Station Château Rouge nördlich des Montmartre ist zum Beispiel so ein Ort. Informiere dich, bevor du abends irgendwo hinfährst!


